Startschuss für die Erfolgskontrolle: Erkenntnisse aus den Befragungen im Pilotquartier
Bevor die ersten grossen Massnahmen des Projekts Pilotquartier Netto-Null greifen, braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme. Im Jahr 2025 hat das Evaluationsteam daher zwei grosse Online-Befragungen (sogenannte «Nullmessungen») durchgeführt. Insgesamt 1’248 Bewohnende und 131 Unternehmen gaben Auskunft über ihre Einstellungen, ihr Wissen und ihr aktuelles Alltags- bzw. Betriebsverhalten in Bezug auf den Klimaschutz.
Wollen, Können, Tun: Hohe Motivation bei Bevölkerung und Wirtschaft
Die Nullmessungen orientierten sich am sozialpsychologischen Handlungsmodell «Wollen-Können-Tun». Die Ergebnisse zum Bereich «Wollen» (Einstellung und Motivation) sind auf beiden Seiten sehr vielversprechend:
- Hohes Bewusstsein bei den Bewohnenden: 82,9 % der befragten Bewohnenden stimmen zu, dass ein globaler Klimawandel stattfindet, und 77 % sehen darin ein grosses Problem für die Menschheit. Fast die Hälfte (45,2 %) glaubt an die Wirksamkeit des eigenen Handelns.
- Klimaschutz als unternehmerische Pflicht: Die befragten Unternehmen sind dem Thema gegenüber mehrheitlich positiv eingestellt und fühlen sich verpflichtet, einen Beitrag zu leisten. Bereits 42 % haben sich in der Vergangenheit bewusst für den Klimaschutz eingesetzt und jedes dritte Unternehmen (33,6 %) will das Engagement in Zukunft noch weiter ausbauen.
Verantwortung und Handlungsbereitschaft
Die Befragungsergebnisse verdeutlichen, dass die Verantwortung zur Bekämpfung des Klimawandels gemäss Meinung der Bevölkerung vor allem bei der Bundespolitik (92 %), den Unternehmen (86 %) und der Bevölkerung selbst (83 %) liegt.
Diese Bereitschaft spiegelt sich auch in der Praxis wider: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56,5 %) hat bereits konkrete Klimaschutzmassnahmen realisiert – Spitzenreiter ist hier der Bereich Entsorgung (78,4 %), gefolgt von der Mobilität (64,9 %). Auch bei der Wohnbevölkerung ist das Engagement in den Bereichen Konsum und Entsorgung (wie konsequentes Rezyklieren) aktuell am grössten.
Herausforderungen und Potenziale Obwohl auf beiden Seiten ein solides Fundament an Wissen vorhanden ist, bremsen oft dieselben limitierenden Faktoren den Tatendrang im Alltag und im Betrieb:
- Bei der Bevölkerung sind es vor allem Zeitmangel, grosser Aufwand oder fehlende finanzielle Mittel.
- Bei den Unternehmen verhält es sich ähnlich: Rund 41 % verfügen zwar bereits über eine Nachhaltigkeitsstrategie, doch fehlende personelle Ressourcen, Zeitmangel (38,6 %) sowie finanzielle Hürden und Kostendruck (43,7 %) sind die Hauptgründe, warum Strategien gebremst oder noch nicht überall implementiert werden. Zudem fehlt es 38,1 % der Betriebe schlicht an Informationen über lokale Engagement-Möglichkeiten.
Fazit: Eine ideale Startrampe für Netto-Null
Die Nullmessung zeigt deutlich, dass sowohl die Bevölkerung als auch die ansässigen Unternehmen des Pilotquartiers dem Thema Klimaschutz gegenüber sehr aufgeschlossen und motiviert gegenüberstehen. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird es sein, dieses «Wollen» in ein konkretes, flächendeckendes «Tun» zu übersetzen.
Das grosse Potenzial liegt in der direkten Zusammenarbeit: Da sich über die Hälfte der Unternehmen (55 %) und die Mehrheit der Bevölkerung (60,3 %) eine direkte Kontaktaufnahme im Rahmen des Projekts wünschen, können wir nun gezielt ansetzen. Indem wir Hürden abbauen, Informationen zugänglich machen und die Sichtbarkeit von einfachen Handlungsmöglichkeiten im Quartier erhöhen, können wir die vorhandene Motivation wirkungsvoll nutzen.
Die erhobenen Daten bilden nun den Referenzpunkt für die nächste Befragung im Rahmen der Zwischenevaluation im Jahr 2028. Hier geht's zur Kurzversion des Jahresberichts. Wir danken allen Teilnehmenden für diesen wertvollen Beitrag zum Projektstart!
